Wie du erkennst, dass deine Überlastung entscheidet und nicht du

Kurz erklärt:

Hoher Stress verändert nicht nur deine Stimmung. Auch deine Wahrnehmung, deine Aufmerksamkeit und deine Entscheidungen verändern sich. Verantwortlich dafür ist unter anderem der Präfrontale Kortex, ein Teil des Gehirns, der normalerweise für Planung, Abwägung und Selbstkontrolle zuständig ist. In der Überlastung verliert dieser Bereich zunehmend Einfluss. Stattdessen wechselt das Gehirn in einen schnelleren, reaktiveren Modus. Die Folge: Du handelst unreflektierter, als du es in einem erholten Zustand tun würdest.

Stell dir vor, du kommst morgens zur Arbeit und bevor du richtig angekommen bist, geht es los:

Eine Kollegin ist überraschend ausgefallen und du musst ihre Aufgaben übernehmen. Dein Posteingang quillt über und während du zur Kaffeemaschine gehst, um kurz durchzuatmen, fängt dich ein Kollege ab. Er braucht dringend deine Rückmeldung zu einem Projekt. Zurück im Büro, klopft es an der Tür. Deine Praktikantin möchte wissen, welche Aufgaben sie heute übernehmen soll.

Du antwortest kurz und genervt. Und hinterher denkst du: „das hätte ich eigentlich auch freundlicher sagen können.“

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Warum Überlastung die Wahrnehmung verändert

Viele Menschen erklären sich Situationen wie diese mit Zeitdruck oder schlechter Laune. Tatsächlich steckt häufig etwas anderes dahinter: Überlastung. Und die sorgt dafür, dass dein Gehirn anders funktioniert als normalerweise. Unser Körper ist nämlich nicht dafür gemacht, unter Dauerlast zu arbeiten.

Das Stresssystem stammt aus einer Zeit, in der Stresssituationen meist lebensbedrohlich aber kurzfristig waren. Wenn unsere Vorfahren plötzlich in Gefahr gerieten, war Geschwindigkeit wichtiger als Genauigkeit. Deshalb verändert das Gehirn unter Stress seinen Fokus. Es wechselt von Qualität zu Schnelligkeit, konzentriert sich stärker auf mögliche Gefahren und reduziert aufwendige Analyseprozesse. Im Berufsalltag entstehen dadurch jedoch Probleme. Denn in der heutigen Arbeitswelt sind durchgehend genau die Fähigkeiten gefragt, die dann schlechter funktionieren, nämlich:

  • Überblick behalten
  • Prioritäten setzen
  • Risiken abwägen
  • langfristig denken

Die Rolle des Präfrontalen Kortex

Der Präfrontale Kortex sitzt direkt hinter deiner Stirn und ist, vereinfacht gesagt, der Geschäftsführer deines Gehirns. Er ist verantwortlich für Impulskontrolle, Planung, Entscheidungsfindung und Perspektivwechsel. Also genau die Fähigkeiten, die du in komplexen Situationen brauchst.

Unter hohem Druck verliert der Präfrontale Kortex getriggert durch den Botenstoff Noradrenalin zunehmend Einfluss auf das Geschehen. Das bedeutet nicht, dass er komplett abschaltet. Aber seine Fähigkeit, Situationen nüchtern zu analysieren und verschiedene Handlungsoptionen gegeneinander abzuwägen, nimmt ab zugunsten von älteren und schnelleren Gehirnanteilen, die vor allem auf unmittelbare Reaktionen ausgelegt sind.

Oft ist das der Eintritt in einen Kreislauf, der sich selbst verstärkt. Durch reaktives Handeln werden Situationen nur unvollständig gelöst und tauchen später als neue Stressfaktoren wieder auf.

Woran du Überlastung erkennst

Bei zu hohem Stress zeigen viele Menschen ein ähnliches Muster, das ich als Reaktionsmodus bezeichne.

Typische Anzeichen sind:

  • Du bearbeitest nur noch das Dringende.
  • Du verschiebst wichtige Entscheidungen.
  • Du kontrollierst stärker als sonst.
  • Du delegierst weniger.
  • Du wirst ungeduldiger und gereizter.
  • Du reagierst emotionaler.
  • Du findest kaum noch kreative Lösungen.

Das Problem dabei:

Viele Menschen halten sich weiterhin für belastbar, obwohl sie den Blick für das Wesentliche bereits verloren haben. Das erzeugt nicht nur innere Spannung sondern auch Konflikte im beruflichen und privaten Umfeld.

Wie du den Reaktionsmodus beenden kannst

Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga, Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung helfen bei akuter Überlastung oft nicht. Denn so lange große Mengen an Stresshormonen im Körper zirkulieren, ist zu viel Energie vorhanden, um wirklich zu entspannen.
Bewegung dagegen hilft, die bereitgestellte Energie des Körpers zu verbrauchen. Und danach gelingt es deutlich leichter, wieder herunterzufahren.

Bei niedrigem Fitnesslevel reicht bereits ein zügiger Spaziergang, bei dem du leicht ins Schwitzen kommst. Ein Lauf, eine Fahrradtour oder eine andere Form hoher körperlicher Aktivität wirken aber noch besser. Das ist also dein freundlicher Reminder, endlich mal eine High Intensity Sportart wie Kickboxen, Padel oder Fußball auszuprobieren.

Fazit

Wenn du langfristig leistungsfähig bleiben möchtest, solltest du nicht nur deine Aufgaben im Blick behalten, sondern auch deinen Belastungszustand.

Denn sobald du aus der Überlastung heraus entscheidest, verlierst du genau die Fähigkeiten, die du im Arbeitsalltag am dringendsten brauchst: Überblick. Weitsicht. Und gutes Urteilsvermögen.

Foto von Luis Villasmil auf Unsplash