Warum die Erholung aus deinem Urlaub nicht anhält. Und weshalb du trotzdem nicht schon wieder urlaubsreif bist.

Kurz erklärt:

Die Erholung nach dem Urlaub verschwindet oft so schnell, weil sie sich nicht speichern lässt. Das autonome Nervensystem passt Stress und Entspannung fortlaufend an deine Lebensbedingungen an. Kehrst du in einen Alltag mit Zeitdruck, hoher Reizdichte und zu wenigen Pausen zurück, steigt die Anspannung wieder. Entscheidend ist deshalb nicht der nächste Urlaub, sondern regelmäßige Erholung im Alltag.

Du kommst aus einem tollen Urlaub zurück und endlich ist da wieder dieses Gefühl, dass du schon so lange vermisst hast: Du bist neugierig auf Dinge und hast Bock wieder anzupacken. Aber nur wenige Tage später ist alles vorbei. Die Urlaubswäsche ist noch nicht mal komplett durch, trotzdem haben sich die Arbeit, die Aufgaben zu Hause und das ganze drum herum wie eine Bleiweste auf dich gelegt. Und mit ihr sind auch deine guten Bekannten, Nervosität und Gereiztheit, wieder zurück. Und dann fällst du erschöpft zu Hause auf die Couch, nach einem Tag der mal wieder nicht so verlief, wie du es dir vorgestellt hast und denkst dir: „Ich bin schon wieder urlaubsreif.“

Aber vielleicht stimmt das gar nicht?!

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Erholung ist kein Vorrat, den du auffüllen kannst.

Viele Menschen behandeln Erholung wie einen Akku, den man ein oder zwei Mal im Jahr auflädt und der dann den Rest der Zeit Energie abgeben soll. Leider funktioniert der Körper ein bisschen anders. 

Anspannung und Entspannung werden vor allem vom sogenannten autonomen Nervensystem geregelt, dass sich durch deinen ganzen Körper zieht.

Das autonome Nervensystem besteht aus dem Sympathikus, dem Nervenstrang der für Aktivität zuständig ist und dem Parasympathikus, dem Nervenstrang der sich um Ruhe kümmert. Ihr Zusammenspiel kann man gut mit der Mischbatterie an einem Waschbecken vergleichen. Normalerweise läuft fortlaufend lauwarmes Wasser, beide Nervenäste sind also gleichmäßig aktiv. Kommt ein Stressfaktor von außen, wird das heiße Wasser des Sympathikus kurzfristig etwas mehr aufgedreht, wodurch der Wasserstrahl insgesamt etwas heißer wird. Ist die belastende Situation vorbei, wird ein bisschen mit kaltem Wasser des Parasympathikus nachgeregelt, bis wir wieder im lauwarmen Normalzustand sind. Das alles passiert, wie der Name schon sagt, autonom. Das bedeutet, dein Gehirn trifft keine dir bewusste Entscheidung, welcher Teil des Nervensystems gerade aktiv ist. Darüber entscheiden vor allem äußere Umstände wie zum Beispiel: Pausen, Reizdichte oder Zeitdruck.

Besteht dein Alltag aus ständigen Belastungen bleibt das Wasser deiner Mischbatterie tendenziell immer ein bisschen zu warm. Denn der Parasympathikus findet einfach zu selten Gelegenheit mit kaltem Wasser nachzuregulieren. Im Urlaub, wenn äußere Belastungen dann wegfallen, ist es aber plötzlich möglich und nach wenigen Tagen stellt sich auf einmal Ruhe und Entspannung ein. Der Parasympathikus hat also seinen Job gemacht. Nur kehrst du danach wieder in deinen Alltag zurück, reagiert eben wieder der Sympathikus und dreht das heiße Wasser auf und du fühlst dich wieder wie zuvor. 

Wie bei einem fließenden Wasser ist es nicht möglich, die Erholung zu speichern, sie muss auch im Alltag immer wiederhergestellt werden.

Dein Urlaub hat nicht versagt. Und du auch nicht.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Denn viele Menschen zweifeln an sich und schließen aus einem schnellen Verschwinden des Urlaubsgefühlst darauf, dass sie sich einfach nicht richtig erholen können. Das stimmt meistens nicht, nur ist eine kurzfristige Erholung eben nicht in der Lage monatelange chronische Überlastung auszugleichen. 

Es geht darum dauerhaft Bedingungen zu schaffen, in denen dein Wasserhahn nicht zu heiß und nicht zu kalt aufgedreht ist.

Und damit räumen wir auch gleich mal die nächste Fehlannahme ab, nämlich dass Belastung grundsätzlich etwas schlechtes wäre. Das Gegenteil ist der Fall, du kannst einen fordernden Job haben, Sport machen, Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und trotzdem gesund bleiben.
Entscheidend ist nicht, Belastung vollständig zu vermeiden. Entscheidend ist, dass dein Geist und Körper genug Gelegenheit bekommen, das kalte Wasser immer wieder aufzudrehen.

Wie du dein autonomes Nervensystem unterstützen kannst

Dein autonomes Nervensystem, deshalb heißt es auch autonom, ist sehr gut in der Lage sich selbst zu regulieren. Aber es braucht passende äußere Bedingungen. Konkret bedeutet das, dass auf eine Anspannung eine entsprechend lange Pause erfolgt, in der der Parasympathikus aktiv werden kann.

Es gibt natürlich ein paar Hacks, die dir helfen können, deinem Nervensystem zu sagen: „Kaltwasser aufdrehen ist angesagt!“

 Das sind zum Beispiel Atemtechniken, in Studien hat sich beispielsweise 4 Sekunden ein und 6 Sekunden Ausatmen als gute Technik zur Aktivierung des Parasympathikus erwiesen. Aber niemand kann dir zuverlässig sagen, wie lange dein Körper zur Entspannung braucht, auch dann nicht, wenn du eine Technik regelmäßig anwendest. Du kannst dein Nervensystem bei der Entspannung unterstützen, aber es nicht dazu zwingen.
Deshalb ist es meiner Meinung nach am wichtigsten, dass Belastung und Erholung einigermaßen im Wechsel bleiben. Denn mit diesem Rhythmus kann dein Körper sehr gut umgehen. Schwierig wird es, wenn die Erholungszeit immer wieder verschoben wird.  Auf nach dem Projekt. Dem Quartalsabschluss. Das Wochenende. Oder den Urlaub.

Und irgendwann soll der Urlaub zur großen Reparaturphase für alles werden, was in den Monaten davor liegen geblieben ist. Nur kann auch ein sehr schöner Urlaub nicht kompensieren, was im Alltag strukturell fehlt.

Nach dem Urlaub beginnt der eigentliche Test

Fühlst du dich nach dem Urlaub sofort wieder angespannt, ist also die wichtigste Frage nicht, wann du wieder wegfährst sondern wodurch du im Alltag eigentlich ständig meine Erholungszeit verlierst. Beobachte einmal die ersten Tage nach deiner Rückkehr. Wann beginnt dein Körper wieder anzuspannen? Wann schläfst du schlechter? Wann lässt du die erste Pause ausfallen? Und wann ertappst du dich wieder dabei, beim Abendessen E-Mails zu beantworten oder morgens vor dem Aufstehen schon den Arbeitstag durchzugehen?

Das sind keine Beweise dafür, dass du etwas falsch machst.
Aber sie zeigen dir ziemlich deutlich, welche Bestandteile deines Alltags deine Erholung besonders schnell wieder aufbrauchen. Und genau dort liegt wahrscheinlich dein wichtigster Hebel.

Fazit: Erholung lässt sich nicht bunkern

Urlaub kann unglaublich guttun. Er kann dir Abstand geben, Schlaf zurückbringen, den Kopf freimachen und deinem Körper die Gelegenheit geben, wieder herunterzufahren. Aber Urlaub ist kein Vorrat. Du kannst Erholung nicht zwei Wochen lang sammeln und anschließend monatelang davon zehren.
Wenn du nach wenigen Tagen im Alltag wieder das Gefühl hast, dass alles weg ist, hast du ein deutliches Signal dafür, dass dein Alltag mehr Erholung verbraucht, als du ihm regelmäßig zurückgibst.
Und dann ist die entscheidende Frage nicht:
Wann kann ich endlich wieder Urlaub machen?
Sondern: Was muss sich in meinem Alltag verändern, damit ich nicht ständig Urlaub brauche, um mich wieder wie ich selbst zu fühlen? 

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